[Dokumentiert] Interview mit Doro Chiba-Delegation / Veranstaltung am 5. September in der Regenbogenfabrik! « Inititaive für Solidarität und Klassenkampf

[Dokumentiert] Interview mit Doro Chiba-Delegation / Veranstaltung am 5. September in der Regenbogenfabrik!

»Wir müssen uns international mit anderen Linken vernetzen« In Japan kämpfen Gewerkschafter mit Studierenden gegen die zunehmende Militarisierung des Landes. Gespräch mit Akaya Tamura*
(junge Welt (jW) vom 05.09.2016)

* Akaya Tamura ist Mitglied der japanischen Eisenbahngewerkschaft Doro-Chiba und zusammen mit einer Delegation gerade zu Gast bei Kolleginnen und Kollegen in Berlin und übersetzt für die Gruppe

Es gab schon mehrere Treffen zwischen japanischen und deutschen Mitgliedern der Eisenbahngewerkschaften. Auch in diesem Jahr sind Sie wieder mit einigen Kolleginnen und Kollegen aus Japan nach Deutschland gekommen. Wie kommt es zu diesem Austausch?

Wir wurden von der Gewerkschaft Deutscher Lokomotivführer, GDL, genauer von deren Ortsgruppe Berliner S-Bahn, eingeladen. Wir finden es sehr wichtig, gerade heutzutage, unseren internationalen Austausch zu verstärken. Wir befinden uns in einer Phase, die durch Wirtschaftskrisen und Kriege gekennzeichnet ist. Unser Ziel ist Solidarität innerhalb der Arbeiterklasse über Grenzen hinweg. Insgesamt sind wir in diesem Jahr mit einer Genossin und vier Genossen nach Deutschland gekommen.

Im vergangenen Jahr hat Ihr Land seine außenpolitische Strategie grundlegend geändert: Militäreinsätze sind nun relativ einfach möglich, zuvor gab es einen deutlich pazifistisch geprägten Konsens. Die Proteste gegen die Gesetzesänderung erfassten das ganze Land. Wie sieht es nun aus?

Der Höhepunkt der Proteste und Kämpfe mit harten Auseinandersetzungen gegen die sogenannten Kriegsgesetze fand im September vergangenen Jahres statt. Da gingen alle gemeinsam auf die Straße: Gewerkschafter, Schüler, Studierende. Diese Kriegsgesetze sind leider verabschiedet worden. Aber sehr viele Leute sind deshalb immer noch wütend auf die jetzige Abe-Regierung. Jede Meinungsumfrage zeigt, dass immer noch mehr als die Hälfte der Bevölkerung gegen die Verfassungsänderung ist!

Gewerkschafter und Studierende haben nicht nur gemeinsam demonstriert, sondern auch viel zusammen vorbereitet – ein Schulterschluss, der in vielen Ländern von Aktivisten gewünscht wird, aber selten klappt. Wie kommt es, dass das bei Ihnen funktioniert?

Hinter den Gewerkschafterinnen und Gewerkschaftern, den Studierenden aber auch Umwelt- oder anderen -aktivisten, die dort zusammenarbeiten, steht die sogenannte Liga, also die Liga Revolutionärer Kommunisten Japans. Ein klassenbewusster und kämpferischer Zusammenschluss. Sie unterstützt und koordiniert die Kämpfe. So ist es selbstverständlich, dass wir alle in den verschiedenen Bereichen gut zusammenarbeiten und natürlich auch kämpfen können.

Im Laufe Ihrer Delegationsreise werden Sie sich auch in Hamburg und im Wendland mit verschiedenen Initiativen treffen. Welche Möglichkeiten sehen Sie, die Kämpfe in Deutschland mit denen in Japan zu verknüpfen?

Wir besuchen zum ersten Mal Hamburg und die Kolleginnen und Kollegen dort. Aber die Genossen wurden uns von den Berlinern als kämpferische Leute beschrieben. Wir müssen nun ausloten, welche Projekte wir gemeinsam angehen können. Auch zwischen den Gewerkschaftslinken in Berlin und Hamburg gibt es gute Beziehungen, das wollen wir bis zu uns ausweiten. Wir sind in der Endphase des Neoliberalismus, davon bin ich überzeugt, und wir müssen uns einfach mit anderen Linken vernetzen.

Mit der Bürgerinitiative Umweltschutz Lüchow-Dannenberg dagegen sind wir schon länger im Kontext der Antiatombewegung in Kontakt und haben bereits vor einigen Jahren sogar eine Art Friedensallianz geschlossen.

»Hinter den Gewerkschafterinnen und Gewerkschaftern, den Studierenden aber auch Umwelt- oder anderen -aktivisten, die dort zusammenarbeiten, steht die sogenannte Liga, also die Liga Revolutionärer Kommunisten Japans.« – Akaya Tamura, Mitglied der japanischen Eisenbahngewerkschaft Doro-Chiba

Veranstaltung mit der japanischen Delegation in Berlin: Montag, 5. September, 18.30 Uhr, Regenbogenfabrik, Lausitzer Straße 22, Berlin-Kreuzberg | Weitere Infos: klassenkampfblock.blogsport.de

Direktlink zum Interview mit der jungen Welt (jW) hier.