Einigung beim Arbeitskampf der Gebäudereiniger « Initiative für Solidarität und Klassenkampf

Einigung beim Arbeitskampf der Gebäudereiniger

klassenblog_staub Die Gebäudereinger haben mit ihrem Steik Lohnerhöhungen erreicht. Mehr als 6000 Mitglieder der IG BAU, die zum bundesweiten, unbefristeten Streik aufgerufen hatte, waren in den vergangenen zwei Wochen auf der Straße und haben rund 1000 Gebäude bestreikt. Ziel des Arbeitskampfes waren Lohnerhöhungen von 8,7 Prozent und eine Angleichung der Ost-Gehälter an das Westniveau. 96,7 Prozent der gewerkschaftlich organisierten Gebäudereiniger hatten sich in einer Urabstimmung für den Streik ausgesprochen. In Berlin wurde unter anderem bei der Technischen Universität, der Freien Universität, im Paul-Löbe-Haus des Bundestages, im Abgeordnetenhaus und bei der Verwaltung der Stadtreinigung gestreikt. Die SchülerInneninitiative „Bildungsblockaden einreißen“ hat eine Soliadresse an die Streikenden verfasst, die wir weiter unten dokumentieren.

Interview mit Klaus Wiesehügel, Bundesvorsitzender der IG Bauen-Agrar-Umwelt (IG BAU) in der jungen welt
http://www.jungewelt.de/2009/10-30/049.php

Pressemitteilung der IG BAU:
Frankfurt am Main, 29. Oktober 2009

Nach über einer Woche Streik haben sich die Arbeitgeber des
Gebäudereiniger-Handwerks mit der IG Bauen-Agrar-Umwelt (IG BAU) auf
einen neuen Tarifvertrag über zwei Jahre geeinigt.

Am 1. Januar erhöhen sich die Löhne und Ausbildungsvergütungen im Westen um 3,1 Prozent, im
Osten um 3,8 Prozent. In der zweiten Stufe erhöht sich der Tarif erneut
um 1,8 Prozent im Westen und 2,5 Prozent im Osten. Die Stundenlöhne in
der untersten Tarifgruppe, die zugleich der neue Mindestlohn in der
Branche sein soll, betragen dann 8,55 Euro im Westen und 7,00 Euro im
Osten. Für die Monate Oktober bis Dezember dieses Jahres werden die
alten Tarifverträge für IG BAU-Mitglieder – auch Neueingestellte –
wieder in Kraft gesetzt.

„Wir haben das ursprüngliche Arbeitgeberangebot vor dem Streik durch den
mutigen und starken Einsatz der streikenden Kolleginnen und Kollegen
weit übertroffen, der Streik hat sich ausgezahlt“, sagte der IG
BAU-Bundesvorsitzende Klaus Wiesehügel.

„Auch in den anderen Tarifmaterien haben wir substantielle Fortschritte
erzielt. Es wird einen Einstieg in die betriebliche Altersvorsorge
geben, bei dem der Arbeitgeber auf jede hundert Euro Gehaltsumwandlung
rund 23 Euro auf das Arbeitnehmer-Vorsorgekonto überweisen wird.
Außerdem beginnen im Januar Verhandlungen über
Angestellten-Tarifverträge. Damit haben wir unsere Streikziele
weitgehend erreicht, der Streik wird ab Freitag dieser Woche ausgesetzt.“

Über das Tarifergebnis, das mit einer Erklärungsfrist bis zum 10.
November versehen ist, werden die Mitglieder der IG BAU noch in einer
erneuten Urabstimmung befragt. Danach entscheidet der Bundesvorstand der
IG BAU am 9. November abschließend über die Annahme des Tarifpakets.

Soliadresse der SchülerInneninitiative „Bildungsblockaden einreißen“

Solidarität mit den streikenden Gebäude- und Glasreinigern!

Mit einer Mehrheit von 96,7% haben die gewerkschaftlich organisierten Gebäude- und Glasreiniger in einer Urabstimmung vergangene Woche für einen unbefristeten Streik der bundesweit 860.000 Angestellten in dieser Branche ab Dienstag, den 20.10. gestimmt. Hintergrund ist die Forderung nach einer massiven Verbesserung der Arbeitsbedingungen und 8,7 % mehr Lohn. Die SchülerInnen-Initiative “Bildungsblockaden einreißen!” solidarisiert sich mit den Protesten der Gebäude- und Glasreiniger:

Jeder von uns weiß noch aus seiner eigenen Jugend, wie unbeliebt das Zimmeraufräumen, Wischen der Scheiben oder Putzen der Klos ist. Und obwohl jeder Mensch eigentlich weiß, wie wichtig Euer Be­ruf ist, wird Euch nur wenig Respekt entgegengebracht.

Umso schlimmer ist es deshalb, dass die Arbeit, die Ihr leistet, von so vielen Menschen kaum ge­wür­digt wird. Das geht einher mit den extrem miesen Arbeitsbedingungen, unter denen die 860.000 le­galen Gebäude- und Glasreiniger leiden. Bei Stundenlöhnen von oft weniger als 7 Euro pro Stunde und Arbeitszeiten mitten in der Nacht stellt sich zu Recht die Frage, wie man oder meist frau die sim­pel­sten Grundbedürfnisse des Lebens befriedigen soll. Davon ganz abgesehen, dass unserer Meinung nach der Wunsch, auch mal ins Kino oder Theater zu gehen oder mal zu verreisen angesichts des ge­sellschaftlichen Reichtums und der enormen Profite alles andere als unverschämter Luxus ist.

Auch für uns Schülerinnen und Schüler sind die Schulen, in denen Ihr putzen müsst, kein Ort des Ver­gnü­gens. Bei einer immer schlechter werdenden Ausstattung der Schulen müssen wir in immer kür­zer­er Zeit immer mehr Stoff pauken. Für die jetzigen 10. und alle nachrückenden Klassen wird es in Zu­kunft nur noch 12 statt 13 Jahre geben, um das Abi zu machen. Gleichzeitig werden die Klassen immer größer und die mehr und mehr überlasteten Lehrerinnen und Lehrer können immer weniger auf individuelle Probleme eingehen.

Der eigentliche Grund für diese menschenunwürdigen Lern- und Arbeitsbedingungen liegt darin, dass wir nicht etwa zur Befriedigung unserer Interessen oder der Bedürfnisse der Gesellschaft lernen und arbeiten, sondern dass alles auf die Profite der Unternehmen abzielt. Dass die Klos dabei sauber wer­den ist für die Arbeitgeber reine Nebensache, wirklich interessant sind z.B. der operative Gewinn und die Mehrwertrate.

Um den Profit zu erhöhen, versuchen die Besitzer der Produktionsmittel zwangsläufig, die Lohn­kos­ten zu drücken. Für sie reicht es, wenn die Arbeiter sich von Wasser und Brot ernähren können und jeden Tag aufs neue bei der Arbeit erscheinen und für ihn Profite erwirtschaften. Eine Politik, die die Interessen der Lohnarbeiterinnen und Lohnarbeiter vertritt, befindet sich also ständig im Wi­der­spruch zu den Interessen der Konzerne und sogenannten „Arbeitgeber“ und wird ständig unter Druck ge­setzt, keine kämpferische Politik zu machen – „wilde Streiks“ oder dergleichen werden sofort zer­schla­gen und entschlossene Gewerkschafter kriminalisiert, wie z.B. in München, wo ein Ge­werk­schaf­ter für das Verteilen von Flugblättern zu einer Geldstrafe von mehr als 1.000 Euro verurteilt wurde. Und das ist nicht nur in Deutschland so:

So wurde vor einigen Tagen die Zentrale der baskischen Gewerkschaft LAB von der spanischen Spe­zial­polizei gestürmt und ein Vorstandsmitglied wegen angeblicher Unterstützer des Terrorismus ver­haftet. Solche willkürlichen Verhaftungen und die dazugehörigen Rechtsbeugungen sind in der auf­geheizten Stimmung des spanisch-baskischen Konflikts an der Tagesordnung. So versucht der spa­nische Staat, die kämpferische Gewerkschaftsbewegung und die starke pro-baskische Linke zu schwächen.

Wir, Schülerinnen und Schüler, die sich gegen die miserablen Bedingungen im Bildungssystem käm­pfen, solidarisieren uns mit eurem bundesweiten Streik. Wir finden es wichtig, dass sich die von den so­zialen Angriffen der Herrschenden Betroffenen gegenseitig unterstützen und ihren Widerstand gegen Arbeits- und Lebensbedinungen, die kaputt machen, in Bezug zueinander setzen. Auch im eu­ropäischen Kontext! Deshalb protestieren wir hier und heute auch gegen die Verhaftungen und Kri­mi­nalisierung von Gewerkschaftern im Baskenland und schicken ihnen unsere solidarischen Grüße. Für uns ist klar, dass wir gerade in Zeiten der Globalisierung nur gemeinsam Erfolg haben können. Ob in Spanien, Deutschland oder Türkei – die Probleme von Arbeiterinnen und Schülerinnen sind im we­sentlichen die selben – weil ihre Ursachen die selben sind!

Kämpfen wir zusammen gegen Ausbeutung und Unterdrückung!
Hoch die internationale Solidarität!

Solidarische und kämpferische Grüße von der SchülerInnen-Initiative „Bildungsblockaden einreißen!“ – Wir wünschen euch viel Kraft und Erfolg!